Abteilung
Unterwittighausen

 
 
Der geschichtliche Werdegang der Freiw. Feuerwehr Unterwittighausen
Geschrieben von: Ratschreiber Hans Kögler   

Feuerlöschwesen vor Gründung der Wehr

Feuer, im klassischen Altertum eines der vier Elemente, ist, solange die Menschheit besteht, unentbehrlich und auch gefährlich zugleich. Der Dichter Friedr. v. Schiller hat im „Lied von der Glocke" die Eigen­schaften des Feuers vortrefflich interpretiert, und die Obrigkeit hat zu allen Zeiten im Wege von Verordnungen und Aufsicht versucht, Feuers­brünste zu bekämpfen. Interessant ist in dieser Hinsicht die gemein­same „Gerichts- und Dorfordnung" für die beiden Gemeinden Unter-und Oberwittighausen aus dem Jahre 1690 (erneuert 1774), die in Artikel 33 besagt, daß ein jeder „fleißige Obsicht zu halten hat'', daß kein Feuer ausbricht, und wo dies dann trotzdem geschah, der Eigen­tümer zu einer Strafe von 5 Gulden (fl) verfallen, sobald mit den Glocken gestürmt worden ist. Die Strafe wurde auf die Hälfte angesetzt, sobald ohne Glockensturm dem Feuer Einhalt geboten werden konnte. Die sog. Vierviertelmeister waren außersehen, die sog. Feuerschau aus­zuüben und dazu die notwendigen Auflagen zu machen. Auch der Haus­eigentümer wurde bestraft, wenn in den bereitzustellenden Gefäßen (Feuertrog und Wasserbutten) kein Löschwasser sich vorfand.

So war dies auch unter der Herrschaft der Grafen von Rieneck (1217­-1467), der Grafen von Leuchtenberg (1467-1648), des Fürstbistums Würzburg (Lehen von 1502) bis zur Säkularisation im Jahre 1803. Unter­wittighausen teilte immer das Schicksal mit dem Amt Grünsfeld, wel­ches als Entschädigung dem Fürstentum Salm-Krautheim-Reifferscheid mit dem Amtssitz in Gerlachsheim zufiel für verlorene linksrheinische Gebiete. Um 1806 kam dann das Amt Grünsfeld zu Baden. Aber wie gings dann weiter?

Zwei Dokumente sollen beweisen, daß die drei Gemeinden Unterwittig­hausen, Oberwittighausen und Vilchband hinsichtlich der Brandbe­kämpfung zusammengingen und anteilig die notwendigen Feuerwehr­geräte anschafften.

1. Beweis: Am 29. 3. 1833 fertigte Ohnhaus in Unterwittighausen eine Aufstellung und Umlegung von 23 fl. für Schlauchmaterial zur Feuer­wehrspritze. Zugrunde gelegt wurde für

Gemeinde Vilchband mit der Kapitalsumme von 62400.— fl. = 7 fl. „ Oberwittighausen mit der Kapitalsumme von 28 350.— fl. = 4 fl.

„ Unterwittighausen mit der Kapitalsumme von 98 750.— fl. = 12 fl. zusammen                — 23 fi.

 

2. Beweis: Am 13. 12. 1836 (?) haben die drei Gemeinden

a)    Unterwittighausen, vertreten durch Bürgermeister Schmitt, Gemein­derechner Fleischmann und die Gemeinderäte Georg Schmitt und Johann Zipf

b)    Oberwittighausen, vertreten durch Bürgermeister Schmitt und Ge­meinderechner Georg Schmitt und

c) Vilchband, vertreten durch Bürgermeister Hofmann, Gemeinderech­ner Michael Adam Hofmann und Altbürgermeister Endres

mit dem Mechaniker Christof Bittdorf aus Würzburg ein Vertragswerk entworfen, das folgenden Inhalt hatte:

1.    Der Akkordant Bittdorf verpflichtet sich, die allen drei Gemeinden gehörige Feuerwehrspritze so zu reparieren, daß sie den Erforder­nissen entspricht, einen Trieb (Druckhöhe) bis 130' Höhe erreicht, wobei sie in einer Minute 6-7 Eimer Wasser in gleicher Spannung auswirft.

2.    Alle für nötig befundenen Einrichtungen neu zu machen, nicht nur im Innern, sondern auch im äußeren Werk mit Ausnahme des unteren Wagenwerks und unter Zuzug von mehreren tüchtigen Sachverstän­digen auch ausprobieren zu lassen, ferner

3.  Alle Einrichtungen vom besten neuen und reinen Metall und die Windkugel vom besten geschlagenen Kupfer anfertigen zu lassen zum Gesamtpreis von 225 fl., zahlbar die Hälfte nach der Probe­abnahme und den Rest nach einem halben Jahr unter Einräumung einer Garantie von 10 Jahren.

4. Die Gemeinden haben den Transport nach Würzburg zu übernehmen, und binnen 4 Wochen muß
die Reparatur durchgeführt sein.

Es muß aber bezweifelt werden, daß dieser Vertrag zustande kam, weil die Unterschriften gänzlich fehlten.

3. Beweis: Entsprechend eines Beschlusses des Vogtgerichts vom 26. 8. 1846 sind alle drei Gemeinden (Unterwittighausen, Oberwittig­hausen und Vilchband) übereingekommen, die gemeinschaftliche Feuer­spritze zu versteigern mit folgenden Bedingnissen:

1.    Die Spritze bleibt vorerst in Unterwittighausen, wenn Vilchband sie ersteigern sollte, bis eine neue von einer Gemeinde angeschafft ist.

2.    Der Erlös wird erst dann von der betreffenden Gemeinde herausbe­zahlt, wenn eine neue Spritze angeschafft ist, und zwar im Verhält­nis der Anschaffung im Jahre 1830.

Sodann erfolgte die Versteigerung. Letztes Gebot und den Zuschlag erhielt Bürgermeister Schmitt für die Gemeinde Unterwittighausen und Oberwittighausen für 425 fl.

Wegen Weigerung der Standesherren, zur Spritzenanschaffung etwas beizusteuern, hat das Großherz. Bezirksamt Gerlachsheim einige Fra­gen an die Gemeinde Unterwittighausen gerichtet. Die Antwort hierauf war, daß

1.    die Feuerspritze im Jahre 1830 erworben wurde,

2.    daß dieselbe nicht aus Gemeindemitteln bezahlt, sondern als Dar­lehen am 6. 2. 1830 in Höhe von 400 fl. bei Georg Knorr aufgenom­men und am 20. 2. 1831 wieder zurückbezahlt wurde unter Umlegung auf die drei Gemeinden nach dem Brandkapital, und daß

3. schließlich man nicht sagen kann, ob die Standesherrschaften, die fürstl. Salmische, die fürstl. Löwensteinische und das Chorstift Alexander in Aschaffenburg etwas beigetragen haben, da sich die Gemeinderechnungen beim dortigen Amtsrevisionariat befinden.

Mit Vertrag vom 25. 11. 1861 erhielt die Gemeinde Unterwittighausen von der Fa. Carl Metz in Heidelberg eine mittlere Landspritze um 1 200 fl., deren Vertrag vom Bezirksamt Gerlachsheim genehmigt wurde, wobei Oberlehrer Rudolf in Oberwittighausen eine Vermittlerrolle ein­nahm. Metz bat die Gemeinde Unterwittighausen um Überlassung einer colorierten Skizze des Ortswappens oder eines genauen Siegelab­druckes mit Angabe der Farben, um der Spritze ein angenehmes Äuße­res zu geben, evtl. werde man die Ortsbezeichnung ,,Unterwittighausen" In schönen Goldlettern darauf anbringen lassen.

Im Jahre 1884 erwägte die Gemeinde Unterwittighausen den Bau einer Wasserleitung und berichtete dem Bezirksamt, daß wegen der großen Dürre die Effelter Quelle sehr zurückgegangen sei und daß die Eisen­bahnverwaltung eine größere Brunnenfassung erwäge.

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr am 19. Dezember 1897

Mit dem 19. Jahrhundert kam im Zeichen des techn. Fortschritts alles in Bewegung. Die bisherigen Maßnahmen zur Bekämpfung von Bränden genügten nicht mehr. Man erkannte auch, daß die Abwehr zuerst orga­nisiert und die Löschgeräte verbessert werden müßten. Überall bildeten und formierten sich die Feuerwehren, die die Brandbekämpfung spe­zialisierten. So war dies auch in Unterwittighausen, und die noch vor­handenen Archivunterlagen im Gemeindearchiv beweisen folgende Be­gebenheiten.

Nach einem Protokoll vom 19. 12. 1897 erfolgte unter Vorsitz des da­maligen Bürgermeisters A. Fopp und einer vom Bierbrauer Max Zorn einberufenen Versammlung nach einer kurzen Debatte die Gründung eines

Feuerwehr-Corps

Bürgermeister Popp schlug die Bildung einer Kommission vor zur Füh­rung der vorläufigen Geschäfte und Ausarbeitung eines Statuts.

Per Akklamation setzte sich diese wie folgt zusammen:

1.       Bürgermeister A. Popp als      Vorsitzender

2.       Jakob Henneberger als     1. Mitglied

3.       Franz Konrad als 2. Mitglied

4.       Johann Reinhard als  3. Mitglied

5. Markus Zorn als 4. Mitglied

u. als Schriftführer Diese Kommission erhielt weiter den Auftrag, die Wahl eines Komman­danten und Adjutanten in die Wege zu leiten und alles Notwendige für die Ausbildung zu veranlassen. Alle Kommissionsmitglieder nahmen einstimmig die Wahl an und unterzeichneten die Protokollschrift, die heute nur noch als Duplikat vorhanden ist. (Möglicherweise befindet sich das Original beim Generallandesarchiv in Karlsruhe.)

Damit war die Freiwillige Feuerwehr Unterwittighausen gegründet. Schon am 22. Dezember 1897 erfolgte die Vorlage eines Statutentwurfs zur Prüfung mit einem Verzeichnis der beigetretenen Mitglieder der Wehr. Es waren dies:

Markus Zorn, Bierbrauer
Johann Reinhard
Franz Mast
Franz Julius Hammerich
Gg. Martin Sinner
M. Zehnter, Bäcker
Vinzenz Kaiser
Markus Sinner
Georg Beigel
Adam Konrad
Georg Körner
Kilian Leuser
Georg Metzger
Johann Gg. Deckert
Johann Kaspar
Konrad Adam Beigel
Viktor Sennert
Johann Dürr
Friedrich Karl Zipf
Georg Hussy
Adolf Rappert
Georg Popp
Georg Adam Beigel
Lorenz Reinhard
Franz Engert
Johann Sinner
Michael Hussy
Michael Körner
Michael Wehr
Josef Kemmer
Valentin Lurz
Georg Wehr
Georg Fuchs
Josef Zäumer
Mich. Erhard Schmitt
Michael Schwab
Martin Körner
Martin Zorn
Johann Model
Michael Deckert
Georg Wirsching

In den Archiven befindet sich ein umfangreicher, später mit Bleistift­notizen abgeänderter Statutenentwurf, der in seiner Präambel besagt, daß die Wehr die Bezeichnung

Unterwittighäuser Feuerwehr

führt, sich bei Feuersgefahr die Rettung des bedrohten Lebens und Eigentums zur Aufgabe gestellt hat, nach außen hin als abgeschlosse­nes, selbständiges Corps und als solches von der Staatsbehörde an­erkannt ist, wobei jedes Mitglied mittels eigenhändiger Unterschrift sich verpflichtet, die Statuten unverbrüchlich zu halten.

Am 26. 12. 1897, nachmittag 3 Uhr, traten im Gasthaus „Zum Löwen" die Mitglieder zur Wahl ihres Kommandanten zusammen. Nach Ver­lesung der Statuten wurde die Wahl per Akklamation vorgenommen und einstimmig gewählt:

Als Kommandant:

Markus Zehnter, Bäcker

Als Adjutant:

Friedrich Karl Zipf, Bauer

Zur Steigermannschaft gehörten 10 Männer:

Gg. Deckert, Maurermeister, war ihr Obmann

Zu Hornisten wurden bestimmt:

Markus Michel und Valentin Lurz

Zur Sanitätskolonne gehörten:

Markus Zorn, Bierbrauer, Johann Reinhard und Vinzenz Kaiser

Zur Spritzenmannschaft gehörten weitere 26 Mitglieder:
Ihr Obmann war Adam Konrad, Schreinermeister.

Wenn man der schriftlichen Anfrage des Großherz. Bezirksamts vom 20. 1. 1903 glauben darf, hat sich die Gründung nicht besonders aktiv erwiesen. Der Grund der Stagnation war die mangelhafte geldliche Unterstützung und allzu bürokratische Haltung der obrigkeitlichen Or­gane, die die Sache nicht genug förderten. Der Gemeinderat sah sich im Bericht vom 21. 7. 1903 veranlaßt, dem Bezirksamt mitzuteilen, daß gerade der Amtsvorstand anläßlich der letzten Ortsbereisung weit­gehendste Unterstützung zusagte, die trotz großer Opfer seitens der Gemeinde sich nicht zu verwirklichen schien.

(Bemerkung: Das war zur damaligen Zeit eine sehr mutige Sprache und zeigte klar und deutlich die Mängel auf.) Die Gemeindeverwaltung schrieb ferner zurück, daß vorerst von weiteren Anschaffungen Abstand genommen wird und beantragte, daß zumindest die bisherigen Auf­wendungen im Gesamtbetrag von 1648.48 M. bezuschußt werden. Sie berichtete ferner, daß die Wehr im Falle eines Brandes nicht nur für die hiesige Gemeinde da ist, sondern auch für die umliegenden Ort­schaften, die demnächst durch Telefone erreichbar seien, und die auch nur geringe Löschpflichtige aufweisen. Es wird sich dann als ein Segen herausstellen, wenn die hiesige Wehr eingesetzt werden kann. Es wäre auch ein Akt der Gerechtigkeit, den hintersten Teil des Badener Landes, den sog. Ochsenfurter Gau, besser zu berücksichtigen als bisher, zu­mal die Besitzer von großen Gehöften mit bedeutenden Mobilien (bis zu 40 000.— Mk.) größere Beträge an die Gebäude- und Mobiliarver­sicherung abführen. Bezüglich der finanziellen Lage führte die Gemein­deverwaltung weiter aus, daß wegen den geringen Waldeinnahmen die Umlage (Gemeindesteuer) von 35 Pfg. auf 40 Pfg. erhöht werden mußte mit ansehnlichen Beiträgen, der Kirchensteuer und Kosten der Flurbereinigung. Außerdem sei die Wehr, dank ihres wackeren Kom­mandanten und Adjutanten, so weit herangebildet, daß sie sich jeder älteren Wehr eines Landortes hinsichtlich der Ausbildung zur Seite stellen kann, was bestimmt einer größeren Unterstützung würdig sei. Zuzuwarten mit der Bildung zur Wehr, bis erst eine namhafte Unterstüt­zung zugesagt ist, wie Herr Kreisvertreter zu meinen scheint, war nicht angängig, denn der erste Eifer wäre erkaltet und die Gründung der Wehr wäre wieder um Jahre hinausgeschoben worden.

Am 2. Mai 1904 stellte sich der erste Erfolg ein, 300 Mk. wurden bewilligt. Am 5. 12. 1905 wurden zur Anschaffung einer mechanischen Leiter wei­tere 400 Mk. genehmigt.

Nach weiteren schriftlichen Aufzeichnungen des damaligen Ratschrei­bers Gg. Klinger hat die Gemeinde dem Bezirksamt berichtet, daß am 1. 2. 1903 Gemeinderat Michael Schneider in das Vereinslokal. „Zum Hirschen" sich begeben habe, wo gerade eine Generalversammlung des Militärvereins stattfand. Nach seiner Aufforderung, daß noch mehr junge Leute der Feuerwehr beitreten sollten, fand am nächsten Tag im „Löwen" in Gegenwart des Bürgermeisters eine weitere Versamm­lung statt, wobei die im Jahre 1897 entworfenen Statuten zugrunde ge­legt wurden. Der Wehr traten sodann noch weiter bei:

Michael Schneider, Gemeinderat
Philipp Binder
Gg. Th. Weber
Karl Lurz
Michael Schumm
Eugen Kemmer
Valentin Kemmer
Johann Fopp
Franz Dertinger
Konrad Rothkapp
Philipp Ohnhaus
Felix Lurz
Franz Klinger
Philipp Konrad
Peter Klinger
Julian Binder
Markus Michel
Sebastian Wolfert
Martin Henneberger
Kaspar Model
Martin Klinger
Georg Klinger
Johann Lurz
Lorenz Mittnacht
Kaspar Mittnacht

Zuvor war aber am 12. 1. 1903 in Unterwittighausen eine Ortsbereisung durch Bezirksamtmann Bitzel in Gegenwart des Bürgermeisters Kachel aus Tauberbischofsheim als Kreisvertreter der Freiwilligen Feuerwehren, in welcher angeregt wurde, daß Gemeinderat Michael Schneider und der Vorsitzende des hiesigen Militärvereins, Accisor (Steuereinnehmer) Michael Schwab, die Sache in die Hand nehmen sollen. Zurückberichtet wurde weiter, daß am 8. 2. 1903 unter Benachrichtigung aller Feuer­wehrleute nochmals eine Versammlung einberufen wird, und daß zur Bestreitung der Uniformierung und Ausrüstung ein angemessener Bei­trag aus der Landesfeuerwehrunterstützungskasse in Aussicht gestellt wird, wobei die Wahl der Chargierten vorgenommen werden soll. Bür­germeister Kachel teilte aber tags zuvor mit, daß er zu dieser Bespre­chung nicht kommen könne, daß aber die Landesfeuervvehrkasse nur einen Ausrüstungszuschuß von ca. 550 Mk. geben könne, der allerdings zuvor beantragt werden muß. Sodann wurde in Anwesenheit von 45 Männern gewählt:

Zum Kommandant: Friedrich Karl Zipf mit 38 Stimmen

Zum Adjutanten: Michael Schneider mit 38 Stimmen

Zum Steigerhauptmann: Georg Deckert mit 35 Stimmen

Zum Steigerhauptmann-Stellvertreter: Georg Hussy mit 34 Stimmen

Zum Spritzenhauptmann: Michael Schwab- mit 36 Stimmen

Zum Spritzenhauptmann-Stellvertr.: Valentin Kemmer mit 36 Stimmen Als Kassierer: Markus Zorn

Als Schriftführer und Zeugmeister: Georg Klinger, Ratschreiber

Diese Umgruppierung in der Führungsspitze brachte neues Leben in die Wehr. In allen Tageszeitungen wurde dieses Ereignis der Außenwelt mitgeteilt, und schon kamen auch die ersten Angebote ein.

Die Feuerwehrgerätefabrik Magirus in Ulm a. 0. bot sich an. Schneider­meister Vollmer in Gerlachsheim empfahl sich für Uniformen. Fa. Lo­wak, Walter u. Co. in Berlin für ihre Feuerwehrspritzen, W. Sauer in Tauberbischofsheim bot Stoffe zum konkurrenzlosen Preis. Ph. Lemm, Zimmermann in Mannheim, bot seine Trommel mit Zubehör an, war er doch Regt.-Tambour beim Inf. Regt. 111. Josef Weigand in Tauber­bischofsheim bot Tuchröcke an und bei Barzahlung sogar 10 Prozent Skonto. Seb. Ott in Klingenberg für Mützenlieferung und die Fa. Metz in Heidelberg ebenfalls Feuerwehrausrüstungen. Ein Schriftstück vom 17. 5. 1903 besagt folgende Anschaffungen:

Die Mützen lieferte Ott aus Klingenberg, die Tuchröcke lieferte der hier wohnhafte Kaufmann Binder, die Helme, Gurten, Steigerbeil und Leinen lieferte Sattlermeister Mast aus Unterwittighausen. der sie von einer Firma aus Nürnberg bezog. Eine Schubleiter wurde schon früher ge­kauft, sie wurde von hiesigen Handwerkern geliefert. Die Fa. Metz lieferte 2 Hakenleitern, 4 Dachleitern, 1 Anstelleiter, 5 Schlüssel für Schlauchnormalgewinde. Im Mannschaftsverzeichnis finden wir noch als Spielleute: Georg Adam Beige! und Johann Model.

Auch der erste Einsatz ließ nicht lange auf sich warten. Lassen wir hier eine Aktennotiz sprechen!

„Am Freitag, den 29. Mai 1903, an welchen Tagen der Bürger­meister Andreas Popp und die Industrielehrerin Sybilla Ohnhaus mit den Kindern Juliane Schmitt, Margareta Zorn, Apollonia Schmitt, Maria Popp, Justina Dertinger, Barbara Kemmer, Marg. Lurz und Maria Schmitt und mit den sich am Preisspinnen zu be­teiligenden Frauen und Mädchen der Orte Ilmspan, Krensheim, Oberwittighausen, Poppenhausen und Vilchband vormittags 10.30 Uhr von hier aus nach Karlsruhe zu der dort am 26. Mai bis 7. Juni des Jahres unter dem hohen Protektorat Iher Königlichen Hoheit, der Frau Großherzogin Louise abzuhaltenden Spinnerei-Ausstellung begab, brach nachmittags etwa gegen 3.30 Uhr ein Feuer in der Scheune des Schmieds, Valentin Kemmer (Hs. Nr. 94) d. i. In der Schulhofreite, aus, welche wie die heutige polizeiliche Branduntersuchungs-Verhandlung ergeben hat, durch das 3,5 Jahre alte Kind des Gebäudeeigentümers und durch das 4 Jahre alte Kind des Landwirts Michael Schwab, die Eier mit brennen­dem Licht in der Scheune suchten, verursacht wurde. Bei der Lö­schung des Brandes hat die hiesige freiwillige Feuerwehr ihre erste praktische Probe bestanden und hat sich dabei als bewährt gezeigt. Insbesondere wurde durch diese verhindert, daß die neben dem ursprünglichen Feuerherd stehende Kirche und ins­besondere der Kirchturm, welcher bereits vom Feuer ergriffen war, von größerer Beschädigung oder gänzlicher Zerstörung ver­schont blieb.

Dieses wird zur Erinnerung der jetzigen und zur fortwährenden Kenntnis der nachkommenden freiwilligen Feuerwehrmannschaf­ten hierher vorgemerkt.

Unterwittighausen, den 3. Juni 1903

Für die Freiw. Feuerwehr Frdr. Karl Zipf, Kommandant Michael Schneider, Adjutant Georg Klinger, Schriftführer"

 

 

Auch die schriftliche Anerkennung des Bezirksamts Tauberbischofsheim vom 9. Juni 1903 für diesen ersten mutigen Einsatz blieb nicht aus, und das schriftliche Gesuch des Gemeinderats um Bewilligung eines Zu­schusses aus der Feuerwehrkasse wurde befürwortend der Gebäude­versicherungsanstalt in Karlsruhe vorgelegt.

Am 9. Juni 1903 wurde auch der erste Unfall gemeldet, als der Steiger Georg Th. Weber anläßlich einer am Sonntag vormittag vorgenomme­nen Übung auf der Schubleiter ausglitt, zu Fall kam und sich dabei die Hand beschädigte. Auf die Anfrage beim Kreisvertreter Kachel, ob der verletzte Feuerwehrmann eine Unterstützung erhalten könne, kam die Antwort, daß zuerst die Anmeldung beim Landesverband zu vollziehen ist. Daraufhin hat der Verwaltungsrat der Feuerwehr sofort die An­meldung getätigt. Zuvor mußte aber noch ein Fragebogen beantwortet werden, und am 18. Juli 1903 wurde der Wehr die Aufnahmeurkunde überreicht, die heute noch vorhanden ist.

Eine Abschrift von einer einzureichenden Statistik ist ebenfalls noch vorhanden und gibt folgende interessanten Aufschlüsse:

Einwohnerzahl Unterwittighausen = 715

Für 1903 aktive Mitglieder = 43

Für 1904 aktive Mitglieder = 40

und passive Mitglieder 1

sowie Hilfsmannschaften = 104

zur Dienstleistung verpflichtet aufgrund ortspolizeilicher Vor­schrift und Ortsfeuerlöschordnung.

Vorhanden waren: 2 vierrädrige Spritzen, 1 Handspritze und eine Was­serleitung mit 8 Hydranten, 1 Gerätekarren, 1 mechanische Leiter, 1 An­stelleiter, 2 Steigleitern und 3 Dachleitern.

Am 24. 4. 1904 erstattete der Kassierer Michael Zorn schriftlich dem Kommandanten die Meldung, daß er bei einem aktiven Mitglied den rückständigen Beitrag von 30 Pfg. habe durch den Vereinsdiener Zorn erheben lassen, worauf die Zahlung verweigert wurde mit dem Be­merken: „Sie sollen erstmal ihren Ball bezahlen, dann würde er be­zahlen".

Der Kassierer beantragte eine Untersuchung resp. Bestrafung wegen Insubordination (lat. Vergehen gegen die milit. Unterordnung) bzw. wegen Verächtlichmachung des Feuerwehr-Corps. Eine spätere Auf­stellung beweist, daß dieses Mitglied aus der Wehr ausschied.

Am 8. 2. 1904 verstarb der Steigerhauptmann, Maurermeister Georg Deckert. In geheimer Abstimmung wurde Franz Klinger als sein Nach­folger gewählt.

Überörtlich waren alle Feuerwehren des damaligen Kreises Mosbach zu einem Feuerwehrverband zusammengeschlossen. In den Satzungen des Jahres 1902 finden wir noch nicht die Wehr von Unterwittighausen, doch aber die Nachbarwehren Gerlachsheim, Grünsfeld, Königshofen, Lauda, Messelhausen, Oberbalbach, Tauberbischofsheim und Vilch­band. Aber in der Kreissatzung vorn Jahre 1907 finden wir auch die Wehr von Unterwittighausen. Wann diese Aufnahme erfolgte, konnte nicht festgestellt werden.

Am 24. 4. 1908 brach kurz nach 2 Uhr nachmittags im Haus Nr. 51 in der Bahnhofstraße durch Kinderspielerei ein Brand aus. An den Lösch­arbeiten beteiligten sich die Wehren von Unterwittighausen und Vilch­band, sowie die Löschmannschaften von hier und Oberwittighausen.

Die Löschmaßnahmen waren am anderen Morgen beendet. Ein Kind wurde durch eine Nachbarsperson gerettet. Drei Gebäude brannten ab, verbrannt sind 6 Schweine, und betroffen war eine Haushaftung und eine Einzelperson. Gesamtschaden ca. 6000-7000 Mk. Kleine Verlet­zungen von Wehr- und Löschleuten sowie Beschädigung von Uniform­stücken. Bei Einlegearbeiten verletzte sich der Feuerwehrmann Kitian Leuser am Daumen; er begab sich in Behandlung des Arztes Dr. Necker­mann in Grünsfeld und erhielt später einen Kostenersatz in Höhe von 48.— Mk.

Am 20. 7. 1908 nachmittags 5.45 Uhr schlug der Blitz in die Scheune des Kaufmanns Julian Binder. Beteiligt an der Brandbekämpfung war die Feuerwehr Unterwittighausen und die Löschmannschaften aus Poppen­hausen. Beendigung der Löschmaßregel um 10 Uhr abends. Abge­brannt ist 1 Gebäude, Gesamtschaden ca. 4000 Mk.

Am 2. 1. 1911 abends um 7.15 Uhr brannte die Scheune des Löwenwirts Markus Zorn. Entstehung des Brandes unbekannt.

Beteiligt waren die Wehren aus Unterwittfghausen, Vilchband, Messel­hausen, Grünsfeld, Bütthard, Gützingen und Gaubüttelbrunn sowie die Löschmannschaften von Poppenhausen, Oberwittighausen und Zim­mern. Die erste Hilfe brachten die Löschmannschaften Unterwittighau­sen und Poppenhausen sowie die Wehren Unterwittighausen und Vilch­band. Zum Einsatz kamen 2 Hydranten mit direktem Strahl, 1 Hand­spritze und 6 Fahrspritzen. Ende der Löschmaßnahmen gegen 12 Uhr nachts. Abgebrannt ist 1 Hauptgebäude, Scheune und 4 Nebengebäude;

 

 

Weitere Brände brachen noch aus:

Jahr 1913 Brand durch Blitzschlag bei J. Binder

Jahr 1914/1918 I. Weltkrieg

Jahr 1930 In den Weihnachtstagen beim Theaterspielen bei Gastwirt Sennert

Jahr 1931 Am Sonntag während des Gottesdienstes bei Metzger und Henneberger

Jahr 1932 bei Valentin Fuchs (großer Sturm)

Jahr 1933 bei Franz Dertinger (erstmaliger Einsatz der Motorspritze) Jahr 1934 bei Gg. Schmitt, Mark, Michel und Model

14 Tage später bei Sinner, Mark, Michel und Geschw. Geiger Jahr 1935 bei Karl Hörner und damit Ende der Brandserie.

Der Ausbruch dieser Brände ist bis heute noch nicht geklärt und brachte der Gemeinde das Schimpfwort „Neubranden­burg" ein. Hierauf wurde die Einführung einer allgemeinen Brandwache mit einem Lokal im Rathaus eingerichtet, wobei 2 Straßenzüge durchgebend bei Nacht beleuchtet waren, weil man einen auswärtigen Brandstifter vermutete.

Bis zum Ausbruch des II. Weltkrieges waren noch zwei kleinere Dach­stuhlbrände zu verzeichnen.

Jahr 1944 brach ein Brand durch Fliegerbeschuß im Landw. Lagerhaus aus

Jahr 1952 Scheunenbrand bei Ludwig Michel Jahr 1954 Feldscheunenbrand bei Alfred Schenk

Ehrenzeichenträger

Für 40jährige Zugehörigkeit zur Wehr:

Ehrenkommandant Johann Schmitt Ehrenmitglied Georg Ohnhaus Feuerwehrkamerad Georg Mark

Für 25jährige Zugehörigkeit zur Wehr:

Georg Stemmler
Franz Schwäger
lLudwig Popp
Albin Konrad
Adam Borst
Otto Sinner
Ludwig Zipf
Felix Reichert
Vinzenz Braun
Ernst Michel

Das Feuerwehr-Ehrenkreuz 2. Stufe: Kommandant Josef Skazel

 

Leistungsabzeichen in Bronze:

Alois Schmitt
Ludwig Fuchs
Karl Schmitt
Hermann Englert
Ernst Michel
Nikolaus Vollmer
Richard Sinner
Edwin Fries
Albin Schenk
Georg Zorn
Josef Mittnacht
Edwin Schmitt
Josef Häussner
Eugen Heymann
Otto Spiegel
Ludwig Popp
Ludwig Reinhard

1969 wurde mit dem Bau des neuen Gerätehauses begonnen. Entwurf und Planung lag in den Händen von Bauing. Albin Ohnhaus. Die Bau­arbeiten wurden in eigener Regie durchgeführt. Die Außenverputz-arbeiten wurden von Valentin Ohnhaus ausgeführt.

 
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